German–English parallel text
Hinter der Theke
Behind the Counter
DuoText
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Opening the reader…
Priya Shah hatte ihren Laden dreißig Jahre lang jeden Morgen um sechs geöffnet, außer an den vier Tagen nach dem Tod ihres Mannes und an einem Weihnachtstag, an dem ihre Tochter die Schlüssel versteckt hatte. Sie öffnete ihn auch jetzt, um sechs, im Dunkeln, mit den vertrauten kleinen Geräuschen: dem Schlüssel im Schloss, dem Riegel oben, der bei feuchtem Wetter klemmte, der Glocke, dem Klicken der Lichter, die Reihe für Reihe über den Zeitungen, den Süßigkeiten, den Suppendosen angingen.
Priya Shah had opened her shop at six o’clock every morning for thirty years, except for the four days after her husband died and one Christmas Day when her daughter had hidden the keys. She opened it now, at six, in the dark, with the familiar small sounds: the key in the lock, the bolt at the top that stuck in damp weather, the bell, the click of the lights coming on one row at a time over the newspapers, the sweets, the tins of soup.
Diese Stunde mochte sie lieber als jede andere. Bevor die Stadt aufwachte, gehörte der Laden ganz ihr. Raj hatte sie auch gemocht. Er hatte immer da gestanden, wo sie jetzt stand, hinter der Theke, und mit dem kleinen gebogenen Messer, das immer noch an seinem Haken neben der Kasse hing, die Schnüre der Zeitungsbündel durchgeschnitten und ihr mit einer furchtbaren falschen Nachrichtensprecherstimme die Schlagzeilen vorgelesen, bis sie lachte.
She liked this hour more than any other. Before the town woke up, the shop belonged entirely to her. Raj had liked it too. He used to stand where she was standing now, behind the counter, cutting the strings on the bundles of newspapers with the little curved knife that still hung on its hook beside the till, and reading the headlines aloud to her in a terrible fake newsreader’s voice until she laughed.
Raj hätte etwas gesagt. Das hatte sie fünfzehn Jahre lang jeden Tag gedacht und kein einziges Mal laut ausgesprochen. Er war achtzehn Monate vor dem Feuer gestorben, an einem Herzen, von dem niemand gewusst hatte, dass es müde war. Wäre er an jenem Januarmorgen noch am Leben gewesen und neben ihr im Morgenmantel auf dem Gehweg gestanden, hätte er gerochen, was sie gerochen hatte, und er wäre über die Straße zu dem Mann im grauen Anorak gegangen und hätte etwas gesagt, mit seiner ruhigen, etwas zu lauten Stimme, und nichts von alldem wäre geschehen.
Raj would have spoken up. She had thought that every day for fifteen years and had never once said it aloud. He had died eighteen months before the fire, of a heart that nobody had known was tired. If he had been alive that January morning, standing beside her on the pavement in his dressing gown, he would have smelled what she smelled, and he would have walked across the road to the man in the grey anorak and said something, in his calm, slightly too loud voice, and none of it would have happened.
Oder vielleicht doch. Vielleicht hätte die Versicherung abgelehnt, und die Bäckerei hätte zumachen müssen, und Walter hätte alles verloren, und Michael wäre geblieben und auf andere Weise unglücklich gewesen. Sie hatte keine Ahnung. Das war das Problem mit dem nicht genommenen Weg, wie es in dem Gedicht hieß, das ihr Sohn in der Schule gelernt hatte: Man fand nie heraus, wohin er führte. Man fand nur heraus, wohin der eigene führte.
Or perhaps it would. Perhaps the insurance would have refused, and the bakery would have closed, and Walter would have lost everything, and Michael would have stayed and been miserable in a different way. She had no idea. That was the trouble with the road not taken, as the poem her son had learned at school put it: you never found out where it went. You only found out where yours did.
Um zehn nach sechs klingelte die Glocke, und Ana kam aus der dunklen Straße herein, Mehl an den Ärmeln und mit einem Gesicht, das Priya im Laufe der Jahre bei vielen Menschen gesehen hatte, meistens kurz bevor sie ihr etwas erzählten, das sie beschlossen hatten, niemandem zu erzählen. Das Mädchen sagte nicht Hallo. Sie kam um die Theke herum, was außer Raj noch niemand getan hatte, ohne gefragt zu werden, und hielt ihr das Handy hin.
At ten past six the bell rang, and Ana came in from the dark street with flour on her sleeves and a face Priya had seen on many people over the years, usually just before they told her something they had decided not to tell anyone. The girl did not say hello. She came round the counter, which nobody but Raj had ever done without being asked, and held out her phone.
„Mein Vater“, sagte Ana. „Er hat das um fünf geschickt. Ich habe es nicht angehört. Ich kann es nicht allein anhören. Michael hat es angeboten, aber er ist ein Bell, und ich glaube, ein Bell würde es schlimmer machen. Machst du es?“
“My father,” Ana said. “He sent this at five. I haven’t listened to it. I can’t listen to it on my own. Michael offered, but he’s a Bell, and I think a Bell would make it worse. Will you?”
Priya nahm sie mit in das kleine Hinterzimmer zwischen die Chipskartons, setzte sie auf den Stuhl und setzte sich selbst auf den Karton mit den Chipstüten, der sich vom letzten Mal nie ganz erholt hatte. Sie legte das Handy zwischen ihnen auf den Tisch. Ana schaute es an, als könnte es sie beißen. Dann streckte sie die Hand aus und drückte auf den Pfeil.
Priya took her into the little room at the back, among the boxes of crisps, and sat her down on the chair, and sat herself down on the box of crisp packets that had never quite recovered from the last time. She put the phone on the table between them. Ana looked at it as though it might bite her. Then she reached out and pressed the arrow.
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