Paralleltext Englisch–Deutsch
Twelve Rounds a Night
Zwölf Runden pro Nacht
DuoText
Eine Originalgeschichte auf Englisch aus The Night Bakery · Die Nachtbäckerei · Folge 46, mit Deutsch daneben, Absatz für Absatz. Lies sie online oder lade sie als zweisprachiges E-Book herunter.
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Daniel Osei knew Hollin Bridge the way other people know a song they have heard too often: not by thinking about it, but in his hands. Twelve rounds a night, eight years. The hump in the road outside the swimming baths that made the whole bus sigh. The traffic light by the town hall that stayed red for ninety seconds even when there was nobody within a mile. The fox that crossed Mill Road at twenty past one, every night, with the air of someone late for an appointment.
Daniel Osei kannte Hollin Bridge so, wie andere Leute ein Lied kennen, das sie zu oft gehört haben: nicht, indem sie darüber nachdenken, sondern in den Händen. Zwölf Runden pro Nacht, acht Jahre lang. Die Bodenwelle vor dem Hallenbad, bei der der ganze Bus seufzte. Die Ampel beim Rathaus, die neunzig Sekunden lang rot blieb, auch wenn im Umkreis von einer Meile niemand war. Der Fuchs, der jede Nacht um zwanzig nach eins die Mill Road überquerte, mit der Miene von jemandem, der zu spät zu einem Termin kommt.
He knew his passengers too. Not their names, mostly, but their shapes. The nurses going home from the late shift, who slept with their heads against the window and woke exactly at their stops as if an alarm had gone off inside them. The cleaners going in. The lonely ones who rode the whole route twice because the bus was warm and the driver said hello. Once, for a month, a very old man who got on at the hospital every night at two and got off at the cemetery gates, and then one night did not get on any more.
Er kannte auch seine Fahrgäste. Meistens nicht ihre Namen, aber ihre Umrisse. Die Krankenschwestern auf dem Heimweg von der Spätschicht, die mit dem Kopf am Fenster schliefen und genau an ihrer Haltestelle aufwachten, als wäre in ihnen ein Wecker losgegangen. Die Putzkräfte auf dem Hinweg. Die Einsamen, die die ganze Strecke zweimal fuhren, weil es im Bus warm war und der Fahrer Hallo sagte. Einmal, einen Monat lang, ein sehr alter Mann, der jede Nacht um zwei am Krankenhaus einstieg und an den Friedhofstoren ausstieg, und dann eines Nachts nicht mehr einstieg.
That was the thing about the night, Daniel had found. People were more honest in it. Whatever they were carrying, they carried it more openly at three in the morning, as though the dark gave them permission. He had chosen the night shift eight years ago so that he could see Grace in the afternoons. He had stayed on it, he sometimes suspected, because in the daylight he had never been sure what to do with himself, and in the dark he always knew. Drive. Stop. Open the doors. Say hello.
Das war das Besondere an der Nacht, hatte Daniel festgestellt. Die Menschen waren in ihr ehrlicher. Was auch immer sie mit sich trugen, um drei Uhr morgens trugen sie es offener, als gäbe ihnen die Dunkelheit die Erlaubnis dazu. Er hatte die Nachtschicht vor acht Jahren gewählt, um Grace nachmittags sehen zu können. Geblieben war er, vermutete er manchmal, weil er bei Tageslicht nie sicher gewesen war, was er mit sich anfangen sollte, und im Dunkeln wusste er es immer. Fahren. Halten. Die Türen öffnen. Hallo sagen.
This week, the night had been busier than usual. Not with passengers. With paper. There was a stack of Jess’s posters on the luggage rack behind his seat, and a box of leaflets on the front passenger seat that he refilled every round, and taped to the inside of his windscreen, where only he could see it, a list in Priya’s handwriting of every house on the route that had not yet been asked.
Diese Woche war die Nacht geschäftiger gewesen als sonst. Nicht wegen der Fahrgäste. Wegen des Papiers. Auf der Gepäckablage hinter seinem Sitz lag ein Stapel von Jess’ Plakaten, auf dem vorderen Beifahrersitz stand eine Kiste mit Flugblättern, die er jede Runde auffüllte, und innen an seine Windschutzscheibe geklebt, wo nur er sie sehen konnte, hing eine Liste in Priyas Handschrift mit jedem Haus auf der Strecke, das noch nicht gefragt worden war.
The numbers in Priya’s notebook had grown faster than any of them had dared to hope. Forty-three names had become eighty, eighty had become a hundred and thirty. The mayor had found a surveyor who owed him a favour, and the surveyor had walked round number seven with a tape measure and a doubtful face and said that, as a working bakery rather than a building site for flats, it was worth about two hundred and sixty thousand pounds. A lot of money. A great deal less than four hundred and twenty.
Die Zahlen in Priyas Notizbuch waren schneller gewachsen, als irgendeiner von ihnen zu hoffen gewagt hatte. Aus dreiundvierzig Namen waren achtzig geworden, aus achtzig hundertdreißig. Der Bürgermeister hatte einen Gutachter gefunden, der ihm einen Gefallen schuldete, und der Gutachter war mit einem Maßband und einem skeptischen Gesicht durch Nummer sieben gegangen und hatte gesagt, als arbeitende Bäckerei und nicht als Baugrundstück für Wohnungen sei sie etwa zweihundertsechzigtausend Pfund wert. Viel Geld. Sehr viel weniger als vierhundertzwanzig.
Then, on Tuesday, Michael had done something that none of them had expected, least of all, Daniel suspected, Michael himself. He had come to Priya’s kitchen table at eleven at night, where the campaign now lived among the tins and the photographs, and sat down, and said that he would give his half of the building to the town. Not sell it. Give it. For a pound, if the lawyers insisted on a number.
Dann, am Dienstag, hatte Michael etwas getan, womit keiner von ihnen gerechnet hatte, am wenigsten, vermutete Daniel, Michael selbst. Er war um elf Uhr nachts an Priyas Küchentisch gekommen, wo die Kampagne jetzt zwischen den Dosen und den Fotos wohnte, hatte sich hingesetzt und gesagt, er werde seine Hälfte des Gebäudes der Stadt schenken. Nicht verkaufen. Schenken. Für ein Pfund, wenn die Anwälte auf einer Zahl bestünden.
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